Parodontosebehandlung

Wenn wir bei Ihrer Untersuchung Zahnfleischtaschen, Zahnlockerungen oder Zahnfleischentzündungen festgestellt haben, können je nach Erkrankung unterschiedliche Behandlungsmethoden erforderlich sein. Entzündungen verursachen Taschen. Taschen erschweren die Mundhygiene und führen zu weiteren Entzündungen, aus denen letztendlich Knochenabbau und eine Parodontose entsteht - der Parodontologe nennt es Parodontitis. Wikipedia

Anders als vielfach angenommen beeinträchtigt die Parodontitis nicht nur die Gesundheit der Mundhöhle. Eine fortgeschrittene Parodontalerkrankung kann im gesamten Körper Erkrankungen hervorrufen oder den Verlauf bereits bestehender Erkrankungen verschlimmern.

Dass Parodontose und Parodontitis keine harmlose Erkrankungen sind, oder welche, die nur die Mundhöhle betrifft, konnte in einer Untersuchung an der Klinik für Innere Medizin/Kardiologie der Philipps Universität Marburg nachgewiesen werden. Aufgrund der dort gewonnenen Erkenntnisse ergibt sich der klare Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen parodontalen Erkrankungen und Herzkrankheiten - Erkrankungen der Herzkranzgefäße.

Parodontitis ist nicht harmlos

Eine über einen längeren Zeitraum nicht erfolgreich behandelte Parodontitis kann zum Herzinfarkt und zum Schlaganfall führen.

Diabetiker leiden häufiger unter einer Parodontitis, da ihr Immunsystem durch die Zuckerkrankheit geschwächt ist und der Parodontitis keine effektive Abwehr entgegensetzen kann. Gleichzeitig wird durch eine chronische Parodontitis die Wirkung des Blutzucker regulierenden Hormons Insulin vermindert. Daher wirken auch Diabetes-Medikamente schlechter.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass Entzündungen im Mundraum so ernste Folgen haben können wie hohen Bluthochdruck, Schlaganfall, Lungenentzündung, Gelenkbeschwerden oder Herzinfarkt. Auch die damit einhergehende erhöhte Gefahr von Frühgeburten ist weitgehend unbekannt.

Befunderhebung

Wir können diese gefährliche Erkrankung, mit Ihrer Unterstützung durch eine Parodontosebehandlung oder Parodontitisbehandlung heilen oder zumindest in einen dauerhaft entzündungsfreien Zustand überführen. Vor Beginn einer solchen Behandlung erheben wir einen Parodontalstatus, in dem die Tiefe der Zahnfleischtaschen, der Lockerungsgrad der Zähne und die Schwere der Zahnfleischentzündung festgehalten werden.

Zur Befunderhebung gehören ebenfalls eine Bewertung der Mundhygiene und gegebenenfalls Vorschläge zur ihrer Verbesserung.

Behandlung von Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten

  • Die erste Zahnfleischbehandlung bei leichten Zahnfleischentzündungen und geringen Taschentiefen ist immer die Zahnreinigung und die Verbesserung der mundhygienischen Situation, wie im Kapitel "Vorsorge" unter den ersten drei Punkten beschrieben:
  • Mundhygienestatus
  • Professionelle Zahnreinigung
  • Reinigung mit Air-Flow®
  • Nach diesen Behandlungsschritten wird die Entzündung normalerweise innerhalb einer Woche abklingen, und die Tiefe der Zahnfleischtaschen wird deutlich abnehmen. Möglicherweise sind die Taschen dann auch schon ganz verschwunden, so dass eine weitere Behandlung nicht mehr erforderlich ist
  • Um eine erneute Entzündung zu verhindern, müssen dann lediglich in regelmäßigen Abständen Zahnreinigungen durchgeführt und das Hygieneverhalten beobachtet und eventuell korrigiert werden.

Behandlung mittlerer Zahnfleischtaschen

Wenn nach der ersten Behandlung immer noch tiefere Zahnfleischtaschen oder Lockerungen vorhanden sind, so müssen in vielen Fällen chirurgische Maßnahmen durchgeführt werden. Bei der Curettage entfernen wir das entzündliche Gewebe aus dem Inneren der Taschen sowie die harten Beläge von den Wurzeloberflächen. Bei der Gingivektomie werden die Taschen selbst entfernt. Im Rahmen der Gingivoplastik modellieren wir den Verlauf des Zahnfleisches neu.

Behandlung tiefer Zahnfleisch- und Knochentaschen

  • Bei tiefen Taschen und entsprechender Knochenzerstörung kann neben den oben beschriebenen Verfahren auch eine chirurgische Korrektur des durch die Entzündung angegriffenen Kieferknochens erforderlich sein.
  • Bei sehr weit fortgeschrittenem Zahnfleischverlust und Knochenabbau wenden wir mucogingivalchirurgische Verfahren an wie zum Beispiel die Vestibulumplastik und das Schleimhauttransplantat (Gingivaextension). Wikipedia Über diese Verfahren informieren wir Sie bei Bedarf.
  • Alle parodontalchirurgischen Eingriffe werden unter örtlicher Betäubung und vollkommen schmerzlos ggf. elektrochirurgisch durchgeführt. Nach dem Abklingen der Betäubung kommt es gelegentlich zu Schmerzen, die aber durch die Einnahme von Schmerzmitteln in Grenzen zu halten sind. Kosmetische Beeinträchtigungen, besonders im Frontzahnbereich, sind nicht zu befürchten. In vielen Fällen wird durch einen parodontal-chirurgischen Eingriff sogar eine kosmetische Verbesserung erreicht.

Periimplantitis - Entzündung am Implantat

Der Begriff Periimplantitis wurde abgeleitet von dem zahnmedizinischen Fachausdruck Parodontitis, der die entzündlichen Veränderungen des die Zähne umgebenden Zahnhalteapparates und des Kieferknochens bezeichnet. Die Periimplantitis entsteht durch Vernachlässigung der Mundhygiene und zerstört den Knochen in unmittelbarer Umgebung eines Implantates. Während sich bei der Parodontitis die betroffenen Zähne lockern können, tritt eine Lockerung der Implantate bei der Parodontitis meist nicht oder erst im Endstadium auf, was dazu führt, dass die Erkrankung vom Patienten oft nicht bemerkt wird.

Die Therapie der Periimplantits entspricht im Wesentlichen der der Parodontitis. Der parodontologisch tätige Zahnarzt wird dabei durch eine Reihe von speziell auf die Implantateigenschaften abgestimmten Instrumenten und Behandlungsverfahren unterstützt. Wenn die Erkrankung noch nicht zu weit fortgeschritten ist und die Mundhygiene dauerhaft verbessert wird, gelingt es uns in den meisten Fällen, die betroffenen Implantate zu erhalten.

Im Vorfeld einer Versorgung mit Implantaten ist eine kollegiale Zusammenarbeit von Implantologen und Parodontologen sinnvoll.

mehr in unserem Lexikon unter "Periimplantitis"

Video - Parodontitis und Rauchen

Nachsorge, Prophylaxe

  • Durch eine Parodontosebehandlung können wir eine Jahrzehnte lang bestehende Erkrankung in der Regel nicht vollkommen rückgängig machen, doch wir können die Zahnlockerung reduzieren und die Entzündung sowie Zahnfleischtaschen beseitigen. So ermöglichen wir Ihnen wieder eine erfolgreiche häusliche Mundhygiene und damit eine wesentliche Verlängerung der Lebenserwartung Ihrer Zähne.
  • Nach Abschluss der Behandlung empfehlen wir Ihnen die weitere Teilnahme an unserem Prophylaxeprogramm und am Recall. Wenn Sie die Vorsorge konsequent betreiben, ist das Risiko eines Rückfalles oder einer Neuerkrankung sehr gering. Außer den regelmäßigen Kontrollen und Zahnreinigungen werden für lange Zeit keine weiteren Behandlungen mehr nötig sein.
  • Diese kurze Beschreibung umfasst bei weitem nicht alle Behandlungsmöglichkeiten. Weitere Informationen geben wir Ihnen gern in einem persönlichen Gespräch.

aktualisiert vor 325 Tagen, am 30.10.2016 - 12:31.