Zahnlexikon - S

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Sachleistung = Der gesetzlich versicherte Patient hat gegenüber seiner Krankenkasse einen Anspruch auf ärztliche und zahnärztliche Behandlung. Die Kassen stellen dafür die nötigen Vertragsärzte bereit. Diese werden von den Kassen über die Kassen(zahn)ärztliche Vereinigung bezahlt. Sie stehen mit dem Patienten in keinem direkten Vertragsverhältnis.

siehe auch:
BEMA |

Säureätztechnik = Methode zur Vorbehandlung des Zahnschmelzes durch Ätzen mit Säure zur Befestigung von Füllungen. Die durch die Ätztechnik erzeugten Mikrorauigkeiten ermöglichen eine fast untrennbare Verbindung von Kunststofffüllungen, Keramikinlays und Fissurenversiegelungen mit dem Schmelz.

Scharlatanerie = betrügerisches Vortäuschen von beruflichen Qualifikationen, besonderem Wissen, akademischen Ausbildungsgängen etc. in der Absicht, dadurch finanzielle Vorteile, Ruhm und Ansehen zu erlangen. Der Scharlatan ist oft gekennzeichnet durch maßlose Selbstüberschätzung und Geltungssucht. Das Führen falscher Doktortitel oder das Erlangen akademischer Titel um jeden Preis – notfalls durch Plagiarismus - gehört zu den typischen Erscheinungen der Scharlatanerie und mittlerweile leider auch zum politischen Alltag bis hinauf in die Bundesregierung. Die Aufklärungsquote für dieses kriminelle Verhalten könnte in Zukunft steigen, da nach dem jähen Karriereende eines Bundesministers wegen erwiesenen Plagiarismus das öffentliche Interesse stark gewachsen ist.

Scharlatanerie gibt es in allen Berufsgruppen. Während der Quacksalber ausschließlich "medizinisch" tätig ist, ist der Scharlatan ein Betrüger, der fälschlicherweise behauptet, ein bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten zu besitzen, die nicht unbedingt etwas mit Medizin zu tun haben müssen aber können. Scharlatanerie und Quacksalberei kommen oft gemeinsam vor.

siehe auch:
Kinesiologie | Quacksalberei |

Sedierung / Analogsedierung = Methode zur Schmerzreduzierung bei größeren zahnmedizinischen Eingriffen sowie zur Beruhigung von Angstpatienten oder Kindern. Die Sedierung kann zusätzlich zur Lokalanästhesie erfolgen, erzeugt beim Patienten eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Gelassenheit oder Gleichgültigkeit gegenüber der Stressbelastung durch den Eingriff bei gleichzeitiger Erhaltung der Ansprechbarkeit und der Zusammenarbeit mit dem Untersucher oder Behandler. Als Medikamente zur Sedierung (Sedativa) werden Psychopharmaka, Tranquilizer und im Fall der Analogsedierung auch Schmerzmittel (Analgetika) verwendet. Je nach den verwendeten Medikamenten und der Dosierung ist der Übergang zur Narkose ist fließend. Die Sedierung kann in der zahnärztlichen Praxis ambulant durchgeführt werden, gehört aber auch dort in die Hände speziell dafür ausgebildeten Personals. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Sedierung eine gute und risikoärmere Alternative zur Vollnarkose.

siehe auch:
Narkose / Vollnarkose |

Sekundärkaries = nachträglich an den Rändern von Füllungen oder Kronen entstandene Karies, die entweder durch einen fehlerhaften Randschluss oder mangelhafte Mundhygiene oder beides entstanden ist. Im Falle einer Sekundärkaries, muss die verantwortliche Füllung oder Krone entfernt und nach Beseitigung der Karies, wenn möglich, durch eine neue ersetzt werde. Von der Sekundärkaries abzugrenzen ist das Kariesrezidiv.

siehe auch:
Karies |

Sinuslift oder Sinusboden Elevation = chirurgische Anhebung des Kieferhöhlenbodens oft unter Verwendung von Knochenersatzmaterial oder Knochen, der dem Patienten an anderer Stelle entnommen wurde. Der Eingriff dient der Vorbereitung des Kieferknochens zur Aufnahme von Implantaten. Wenn im Bereich der Kieferhöhlen nicht genügend Knochen für Implantate vorhanden ist, kann durch eine Sinus Lift Operation das erforderliche Knochenvolumen erzeugt werden.

Sofortimplantat = Die Sofortimplantation wird direkt nach einem Zahnverlust vorgenommen. Dieses Verfahren darf nur angewendet werden, wenn der extrahierte oder durch Unfall verloren gegangene Zahn nicht vereitert oder entzündet war. Wegen des hohen Verlustrisikos ist von dieser Art der Implantation eher abzuraten.

Speichel = Von den Speicheldrüsen in der Mundhöhle produzierte Mundflüssigkeit. Speichel besteht zu ~ 99,5% aus Wasser Außerdem enthält Speichel unter anderem:

  • abgestoßene Zellen der Mundschleimhaut
  • Speisereste
  • Eine Menge verschiedener Mikroorganismen (Mundflora)
  • Sekret (Flüssigkeit) aus den Zahnfleischtaschen Sulcusfluid

Speichel schützt die Mundschleimhäute vor Austrocknung, wirkt als Schmiermittel verringert die Reibung und ermöglicht so den Schluckvorgang. Ohne Speichel könnten wir keinen Bissen runterbekommen. Ein Milliliter Speichel enthält etwa 100.000.000 Bakterien, die bei richtiger Speichelzusammensetzung unschädlich oder sogar nützlich sind. Die im Speichel enthaltenen Fermente bereiten unaufbereitete Stärkeprodukte für die weitere Verarbeitung im Verdauungstrakt vor. Speichel ist in der Lage, Säuren zu puffern und dadurch den Zahnschmelz vor Entmineralisation zu schützen. Patienten mit reduziertem Speichelfluss (Xerostomie / Mundtrockenheit) leiden unter stark erhöhter Kariesanfälligkeit. Der Sitz von Prothesen wird durch Speichelmangel ebenfalls beeinträchtigt.

Spezialist = Zahnmediziner, der sich durch Fortbildung oder Erfahrung in einem bestimmten Gebiet erweiterte Kenntnisse oder eine gewisse Behandlungsroutine erworben hat. Zahnärzte dürfen auf besondere Kenntnisse und Fertigkeiten hinweisen, ohne notwendigerweise in allen Fällen dafür einen Qualifikationsnachweis zu erbringen. So kommt es, dass in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Experten für ..., Spezialisten für ..., Masters of science für ... und Tätigkeitsschwerpunkten entstanden ist, über die den Überblick zu gewinnen, für Patienten fast unmöglich sein dürfte. In wie weit hier der Fortbildungswille oder das Marketing im Vordergrund steht, sei dahingestellt.

Stomatognathes System = zahnmedizinische Fachbezeichnung für das gesamte Kauorgan. Es besteht aus den folgenden Bestandteilen:

  • Kiefergelenke jeweils mit der Gelenkpfanne, an der Schädelbasis, den Gelenkköpfen des Unterkiefers, und den dazwischen gelegenen Gelenkscheibchen (discus articularis). Das ganze Gelenk ist umgeben von einer bindegewebigen Gelenkkapsel.
  • Die Kaumuskulatur, die sowohl für die Gelenkbewegungen als auch über in ihr befindliche Rezeptoren für die Übertragung von Informationen über die Kieferposition und die mechanische Belastung an das Gehirn verantwortlich ist.
  • Die Zähne mit ihren Kauflächen, die im Idealfall genau mit den von den Kiefergelenken vorgeschriebenen Kaubahnen übereinstimmen.
  • Die Nerven in der Zunge und den Mundschleimhäuten erfassen Position, Konsistenz, Temperatur und Größe der Nahrung und leiten diese Information an das Gehirn weiter.
  • Druckrezeptoren im Parodontium (Wurzelhaut) eines jeden Zahnes registrieren die Belastung und die Kraftrichtungen beim Kauvorgang. Auch diese Informationen werden dem Gehirn übermittelt.
  • Alle gesammelten Informationen werden im Gehirn von einem sog. Kauzentrum verarbeitet und vermitteln ein detailliertes Gesamtbild über den gesamten augenblicklichen Status quo des Kausystems. Daraus wiederum werden Steuerimpulse erzeugt, die den Kauvorgang koordinieren, und z.B. verhindern, dass wir uns auf die Zunge beißen oder die Zähne überlasten.

Streptococcus mutans = Bakterienart aus der Gattung der Streptokokken, spielt die Hauptrolle bei der Entstehung der bakteriellen Plaque und ist der wichtigste Verursacher der Zahnkaries.

Die Mundhöhle ist vor der Geburt steril und wird sofort nach der Geburt von einer Vielzahl von Bakterien besiedelt. Streptococcus mutans jedoch braucht Zahnoberflächen, auf denen es sich in der dentalen Plaque ablagern kann und ist daher nicht von Geburt an in der Mundhöhle vorhanden. Es wird erst während des Milchzahndurchbruches von infizierten Bezugspersonen durch Küssen, Schnuller, Löffel etc. ab einem Alter von etwa 1,5 Jahren auf das Kind übertragen.

Es handelt sich also um eine Infektionskrankheit. Im englischen Sprachraum wird Karies daher auch als "kissing disease" bezeichnet, und es mangelte nicht an wohlgemeinten Vorschlägen und Tipps zur Vermeidung oder wenigstens Reduzierung des Infektionsrisikos, bis hin zu der genialen Idee, Mütter sollten ihre Kinder nicht küssen oder wenigstens vor dem Küssen die Zähne putzen oder desinfizierende Spüllösungen verwenden. Das ist natürlich Unfug, da Streptokokkus mutans in praktisch jedem Mund vorhanden ist und sich die Infektion durch hysterisch motivierten Liebesentzug allenfalls ein bisschen hinauszögern aber bestimmt nicht verhindern lässt. Bis auf weiteres sind wir wohl alle darauf angewiesen, Streptokokkus mutans durch gute Mundhygiene zu bekämpfen.

Streptococcus mutans produziert in großen Mengen starke Säure, welche die Zahnstrukturen durch Demineralisation zerstören. In den so entstandenen Kavitäten (Löchern) lagert sich weitere Plaque ab, die im Rahmen der normalen Mundhygiene nicht oder kaum noch zu entfernen ist, und es beginnt ein Teufelskreis, den nur noch der Zahnarzt mit "Bohrer" und Füllung beenden kann.

siehe auch:
Karies | Plaque |

aktualisiert vor 236 Tagen, am 30.10.2016 - 12:31.