Knochendefekte füllen mit Knochenersatzmaterial

Bei Knochenmangel und Knochenverlust ...

In der Zahnheilkunde ist Knochenmangel ein häufig auftretendes Problem, das vielfältige Ursachen haben kann. Entzündliche Prozesse und Zysten, Kieferatrophie durch längere Zahnlosigkeit, oder Knochenverlust durch umfangreiche chirurgische Eingriffe können Situationen erzeugen, die Knochenersatz oder eine Unterstützung der Knochen-Regeneration erforderlich machen. Knochenmangel kann den Sitz von Prothesen beeinträchtigen, benachbarte Zähne gefährden und Implantationen erschweren oder unmöglich machen. In der Vergangenheit musste sich sowohl der Patient als auch der Zahnarzt mit solchen Problemen abfinden und versuchen, das Beste aus der Situation machen.

... hilft Knochenersatzmaterial

Das hat sich erfreulicherweise mit der Vielfalt der heute zur Verfügung stehenden Knochenersatzmaterialien geändert, so dass wir mittlerweile viele Knochendefekte korrigieren oder das Wachstum neuen Knochens anregen und fördern können. Abhängig von der jeweiligen Situation, der Größe des Knochendefektes, seiner Form und der zukünftigen Funktion des wiederherzustellenden Knochens steht uns ein breites Spektrum an Materialien und Methoden zur Verfügung.

Welche Materialien gibt es?

Autologer / Autogener Knochen

Die besten Ergebnisse bei der Knochenwiederherstellung kann man mit Knochenmaterial erreichen, das vom Patienten selbst stammt (Autologer Knochen). Dieser Knochen kann aus dem Beckenkamm entnommen werden, was allerdings einen relativ großen chirurgischen Aufwand bedeutet und nicht vom Zahnarzt und auch nicht in der zahnärztlichen Praxis durchgeführt werden kann, sondern unter klinischen OP-Bedingungen und ggf. Vollnarkose. Unter Praxisbedingungen bietet sich die Knochenentnahme aus unbezahnten Bereichen des Kiefers an, wenn dort genügend Knochen vorhanden ist. Beim autologen Knochentransplantat gibt es keinerlei Abstoßungsreaktion oder Unverträglichkeit. Autologer Knochen ist grundsätzlich die beste Lösung, und wir verwenden es in unserer Praxis, wenn immer das möglich ist.

Allogenes / Homologes Knochenersatzmaterial

Homologe Materialien stammen - wie auch Blutkonserven - von menschlichen Spendern und sind speziell aufbereitet, um Infektionsrisiken mit HIV, Hepatitis etc. und Abstoßungsreaktion auf körperfremdes Eiweiß auszuschließen. Mittlerweile sind diese Risiken praktisch ausgeschlossen.

Xenogene / Heterologe Materialien

Heterologe Materialien sind tierische Materialien, von Schwein, Rind oder Pferd. Auch bei diesen Materialien besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Infektion oder einer Immunreaktion auf das tierische Eiweiß. Besonders die Infektion mit Prionen (BSE) war in der Diskussion. Die heute angewendeten Produktionsverfahren garantieren jedoch einen vollständigen Schutz vor Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern.

Synthetische / Alloplastische Materialien

Als synthetische Knochenersatzmaterialien werden hauptsächlich Sinterkeramiken wie Hydroxylapatit und Tricalciumphosphat verwendet. Andere Materialen wie ß-Tricalciumphosphat (Cerasorb™) werden im Lauf der Zeit vollständig resorbiert und dienen als Platzhalter und Leitstruktur für die Bildung neuen körpereigenen Knochengewebes.

... welches ist das richtige?

Bei der großen Vielfalt der angebotenen Materialien kann man diese Frage nicht so einfach beantworten. Richtig ist sicher, dass die meisten, wenn sich der Zahnarzt oder Oralchirurg mit ihnen eingearbeitet hat, gute Dienste leisten.

Wenn die Verwendung von autogenem Knochen nicht möglich ist, verwenden wir mit gutem Erfolg das xenogene Knochenersatzmaterial Bio-Oss® der Firma Geistlich Pharma AG, falls erforderlich, kombiniert mit der resorbierbaren Membran Bio-Gide® desselben Herstellers. Die Membran ist eine Abgrenzung der künstlichen Knochenmasse gegenüber der Umgebung des Knochendefektes und verhindert das Einwachsen von unerwünschtem Gewebe in den Knochenhohlraum.

Siehe auch:
Augmentation
Gesteuerte Knochenregeneration

... und wo kann man es einsetzen?

Überall wo Knochenregeneration (Wiederherstellung) oder Knochenaugmentation (Vermehrung der Knochenmasse) notwendig oder erwünscht ist. Das reicht von der einfachen Zahnentfernung über Zystenoperationen bis hin zu großen implantologischen Eingriffen, Sinuslift-Operationen, oder präprothetischen Maßnahmen zur Verbesserung des Prothesenlagers. Auch bei der chirurgischen Behandlung parodontaler Erkrankungen wird Knochenersatzmaterial zunehmend erfolgreich eingesetzt.

... zum Beispiel beim Sinuslift

Die nebenstehenden Bilder zeigen eine geschlossene Sinuslift Operation mit Knochenaufbau für die Aufnahme von Zahnimplantaten. Dabei wird die Bildung neuen Knochens durch die Verwendung von Knochenersatzmaterial unterstützt. Da in der Ausgangssituation der Kieferhöhlenknochen nach unten hin mit einer Wandstärke von ca. 2-3 mm für eine Implantation viel zu dünn ist, muss der Kieferhöhlenboden angehoben und verstärkt werden.

Bild 1 zeigt wie die dünne Knochenschicht, die die Kieferhöhle nach unten begrenzt, perforiert und die Kieferhöhlenschleimhaut angehoben wird.

Bild 2 zeigt das in den neu entstandenen Hohlraum zwischen Schleimhaut und Knochen eingebrachte Knochenersatzmaterial und das Zahnimplantat. In der Regel heilen sowohl das Implantat als auch der künstliche Knochen komplikationslos ein. Das Knochenersatzmaterial wird nach einiger Zeit teilweise oder ganz in körpereigenen Knochen "umgewandelt".

Sinuslift

Wie wird es angewendet?

Zur Erzielung eines ein guten Knochenwachstum muss vor der Anwendung von Knochenersatzmaterialien alles entzündete oder abgestorbene Gewebe vollständig entfernt werden. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass sich das Material mit Blut vermischt und überall an den Wänden des Knochendefektes gut anliegt. Je mehr gesunder Knochen den Defekt umgibt, desto günstiger sind die Erfolgschancen. In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, den mit Kochenersatz aufgefüllten Hohlraum mit einer resorbierbaren, sich selbst nach einiger Zeit auflösenden Membran vor dem Einwachsen unerwünschten Gewebes aus der Umgebung zu schützen.

Risiken und Grenzen der Knochenersatzmaterialien

Knochenersatzmaterial ist ein Fremdkörper, der in einen möglichst sauberen aber sicherlich nicht sterilen Knochenhohlraum eingebracht wird. In diesem Hohlraum gibt es zunächst keine Blutgefäße und daher auch keine Durchblutung, die neues Knochenwachstum fördern und über die körpereigenen Abwehrstoffe Infektionen bekämpfen könnte. Auch Antibiotika, die über den Blutweg an den Ort der Entzündung befördert werden, bleiben im Inneren des aufgefüllten Knochendefektes weitgehend wirkungslos. Eine Infektion im betroffenen Bereich kann daher zum Verlust des Knochenmaterials und der Implantate führen. Vor einer weiteren Verwendung des neu gebildeten Knochens, z.B. für Implantate sollte der behandelnde Zahnarzt in der Regel zunächst beobachten, ob die Wundheilung problemlos verläuft. Die hier beschriebenen Komplikationen treten relativ selten auf.

Bei sehr umfangreichen Knochendefekten sollte körpereigener Knochen verwendet werden, der dem Patienten an anderer Stelle, z.B. aus dem Beckenkamm entnommen wird. Auf diese Weise lassen sich große Kieferbereiche sehr erfolgreich wieder aufbauen. Wegen des großen operativen Aufwandes sind die Knochenentnahme vom Beckenkamm und die Transplantation in den Kieferbereich jedoch in der Zahnarztpraxis nicht möglich. Daher sollten diese Eingriffe vom Chirurgen in Zusammenarbeit mit dem Kieferchirurgen unter klinischen OP-Bedingungen vorgenommen werden.

[1] © Geistlich Biomaterials

aktualisiert vor 355 Tagen, am 30.10.2016 - 12:31.